ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom)

Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

Klassifikation nach ICD-10
F90.- Hyperkinetische Störungen
F90.0 Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
F90.1 Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens
F90.8 Sonstige hyperkinetische Störungen
F90.9 Hyperkinetische Störung, nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), die auch als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom oder Hyperkinetische Störung (HKS) bezeichnet wird, ist eine bereits im Kindesalter beginnendepsychische Störung, die sich durch Probleme mit der AufmerksamkeitImpulsivität und Hyperaktivität äußert.

Schätzungsweise 3–10 % aller Kinder zeigen Symptome im Sinne einer ADHS. Die ADHS gilt heute als häufigste Ursache von Verhaltensstörungen und schulischen Leistungsproblemen von Kindern und Jugendlichen. Jungen sind merklich häufiger betroffen als Mädchen.[1] Verlaufsstudien haben gezeigt, dass bei 40–80 % der diagnostizierten Kinder auch nach der Pubertät in der Adoleszenz die Störung fortbesteht[2] und mindestens in einem Drittel der Fälle auch noch im Erwachsenenalter ADHS-Symptome bestehen (siehe Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen).[3]

Daneben existieren alternative Bezeichnungen und Abkürzungen, die teilweise übereinstimmende Krankheitsbilder beschreiben, teilweise spezielle Ausprägungen bezeichnen. Verbreitet ist insbesondere die BezeichnungAufmerksamkeitsdefizitsyndrom oder -störung (ADS), die umgangssprachlich oftmals für den unaufmerksamen Subtyp verwendet wird, der wissenschaftlich bisher nicht ausreichend untersucht ist. Veraltet sind hingegen die BezeichnungenMinimale Cerebrale Dysfunktion (MCD) und Psychoorganisches Syndrom (POS). International wird üblicherweise von attention deficit hyperactivity disorder bzw. attention deficit/hyperactivity disorder (ADHD bzw. AD/HD) und attention deficit disorder(ADD) gesprochen.

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung ist nach derzeitigem Stand (2009) ein multifaktoriell bedingtes Störungsbild mit einer erblichen Disposition, die die Ausbildung der Krankheit begünstigt.[4] und das auf neurobiologischer Ebene unter anderem als striatofrontale Dysfunktion erklärt wird. Für den Verlauf und die individuelle Ausprägung spielen daneben psychosoziale Faktoren und Umweltbedingungen (z. B. die Unterrichtsqualität) eine wichtige Rolle. Allerdings gibt es, trotz vieler möglicher unterschiedlicher biologischer Ursachen, kein stimmiges Modell zur ADHS.[5]

Betroffene und ihre Angehörigen stehen meist unter erheblichem Druck. Versagen in Schule oder Beruf sowie die Entwicklung von weiteren psychischen Störungen sind häufig. Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad, den jeweiligen Symptomen sowie dem Alter des Betroffenen. Wegen der Komplexität der Störung wird angestrebt, verschiedene Behandlungsansätze zu einer auf den Patienten und sein soziales Umfeld zugeschnittenen Therapie zu kombinieren.

Behandlungsbedürftigkeit

ADS kann in drei Schweregrade eingeteilt werden:

  • Der leicht Betroffene hat zwar die biologische und genetische Prädisposition, bei ihm ist die Symptomatik aber nicht so stark ausgeprägt, dass er behandlungsbedürftig ist. Er besitzt eine höhere Kreativität, ist etwas weniger impulsgehemmt als normal und kann sich nicht so gut konzentrieren wie andere Menschen. Dafür bekommt er aber am Rande liegende Details sehr viel besser mit. Trotzdem ist eine frühzeitige Information des Betroffenen und seines Umfeldes über ADHS sowie eine psychosoziale Hilfestellung wichtig. Dadurch kann ein Betroffener in seiner Entwicklung günstig beeinflusst werden und die negativen Symptome werden abgeschwächt.
  • Der mittelschwer Betroffene ist behandlungsbedürftig und leidet neben ADHS zunehmend unter Folgeerkrankungen. Er entwickelt aber keine Störung des Sozialverhaltens oder andere soziale Auffälligkeiten. Unter Umständen ergreift er einen Beruf, für den er geistig deutlich überqualifiziert ist. Das Suizidrisiko ist ohne Behandlung erhöht, und die Wahrscheinlichkeit von Schulversagen und Versagen im Beruf nimmt zu.
  • Ein schwer Betroffener hat ein gestörtes Sozialverhalten und ein stark erhöhtes Risiko, ein Suchtverhalten zu entwickeln oder in die Kriminalität abzurutschen. Ohne Behandlung ist er nur schwer zu (re-)sozialisieren.

Mit einer umfassenden Prophylaxe und der Information des Umfeldes über die Störung kann man unter Umständen erreichen, dass sich die einzelnen Symptome weniger deutlich ausprägen, sodass ursprünglich schwerer Betroffene in eine schwächere Kategorie fallen. Zu bedenken ist aber, dass ein Großteil des Schweregrades neurobiologisch bedingt ist. Daher können die Symptome nur im Rahmen der synaptischen und kortikalen Plastizität des menschlichen Gehirns beeinflusst werden. Untersuchungen zur Langzeitplastizität bei ADHS stehen noch aus.

Behandlung

Ziel der Behandlung ist es, das individuell unterschiedlich vorhandene Potenzial auszuschöpfen, die sozialen Fähigkeiten auszubauen und eventuelle Begleitstörungen zu behandeln. Die Behandlung sollte multimodal erfolgen, das heißt, es sollten parallel mehrere Behandlungsschritte durchgeführt werden (z. B. Psychotherapie, psychosozialeInterventionen, Coaching, Pharmakotherapie). Die Wahl der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Störung. Meist kann eine Therapie ambulant erfolgen. Eine teilstationäre Therapie in einer Tagesgruppe oder in einer Tagesklinik bzw. eine Heimunterbringung oder eine stationäre Therapie ist vor allem bei einer besonders schwer ausgeprägten Symptomatik, besonders schwer ausgeprägten komorbiden Störungen (bspw. Störung des Sozialverhaltens) sowie bei mangelnden Ressourcen in Kindergarten oder Schule oder besonders ungünstigen psychosozialen Bedingungen notwendig. Eine nicht genügend erfolgreiche ambulante Therapie kann stationär oder teilstationär in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie fortgeführt werden.[34] Dort können die innerfamiliären Beziehungen wieder stabilisiert werden. Dafür ist es zumeist notwendig, die Bezugspersonen in die Behandlung mit einzubeziehen.

Kritiker des Therapiekonzepts sind alarmiert durch den drastischen Anstieg der Verordnungen von Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin u. a.). In Deutschland ist die Verordnungshäufigkeit seit Ende der 90er Jahre um das Vierfache gestiegen (1998 4,7 Mio., 2003 19,8 Mio. Tagesdosierungen),[36] was auf eine unzureichende Abklärung der Symptome und möglichen Ursachen im Einzelfall verweise.

In dem Zeitraum von 2006 bis 2011 wurden 20 % der Jungen und 7,8 % der Mädchen, die nach 2000 geboren wurden mit ADHS diagnostiziert. 2011 wurde Ritalin (Methylphenidat) an knapp 336.000 Personen verschrieben.[37]

Vorsorge

Für die Behandlung von Klein- und Schulkindern mit ADHS hat sich das Marburger Konzentrationstraining (MKT) als geringfügig positiv und hilfreich herausgestellt. Ähnlich demAutogenen Training beruht es auf verbaler Selbstinstruktion und ist auch für vollkommen gesunde Kinder oder für Kinder mit ungesicherter Diagnose geeignet. Autogenes Training kann ebenfalls als unterstützende „sanfte“ Maßnahme bei älteren Kindern und Erwachsenen hilfreich sein.

Das multimodale Vorgehen

Die multimodale Behandlung kann folgende Interventionen enthalten, die stets auf den Einzelfall abgestimmt werden. Die Interventionen können in einem ambulanten sowie voll- oder teilstationären Setting angewandt werden:

  • Aufklärung und Beratung (Psychoedukation) der Eltern, des Kindes/Jugendlichen und des Erziehers bzw. des Klassenlehrers
  • Elterntraining (auch in Gruppen) und Interventionen in der Familie (einschließlich Familientherapie) zur Verminderung der Symptomatik in der Familie
  • Interventionen im Kindergarten und Schule (einschließlich Platzierungs-Interventionen) zur Verminderung der Symptomatik im Kindergarten sowie in der Schule. Das heißt, es können sowohl spezielle Förderungen für das Kind bzw. den Jugendlichen durch die Schulpsychologie erfolgen, wie Frühförderung oder Vorschule, als auch ein Schulwechsel
  • Kognitive Therapie des Kindes bzw. des Jugendlichen (ab dem Schulalter) zur Verminderung von impulsiven und unorganisierten Aufgabenlösungen (Selbstinstruktionstraining) oder zur Anleitung des Kindes/Jugendlichen zur Modifikation des Problemverhaltens (Selbstmanagement); siehe Verhaltenstherapie
  • Pharmakotherapie zur Verminderung hyperkinetischer Symptome in der Schule (im Kindergarten), in der Familie oder in anderen Umgebungen; siehe Pharmakotherapie
  • Außerdem können diätetische Behandlungen (oligoantigene Diät) hilfreich sein. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um die Wirksamkeit und die Indikation dieser Intervention genauer abschätzen zu können. Vermutlich ist diese Behandlung nur selten hilfreich, möglicherweise häufiger bei Kindern im Vorschulalter und bei parallel bestehender atopischer Störung.[38] Hier liegen lediglich vereinzelte Studien vor, die kein genaues Bild der Wirksamkeit zulassen.

Die Behandlung der evtl. vorliegenden komorbiden Störung (siehe: Komorbiditäten und Folgeerkrankungen) sollte durch eine spezielle Behandlung der komorbiden Erkrankung erfolgen. Dazu kann auch auf soziales Kompetenztraining zurückgegriffen werden, das soziale Defizite verbessern soll. Geringes Selbstwertgefühl kann durch Einzeltherapie oderGruppentherapie auf tiefenpsychologischer und verhaltenstherapeutischer Basis verbessert werden.[34]

Information

Eingehende und umfassende Information aller beteiligten Personen über ADHS ist ein wesentlicher Bestandteil jeglicher Therapie. Betroffene sollten über die Art der Störung (ADHS ist keine Geisteskrankheitkein Schwachsinn und keine Faulheit), die Symptome, die möglichen Schwierigkeiten im Alltag und etwaige Behandlungsmöglichkeiten in Kenntnis gesetzt werden.

Neben dem ärztlich-psychologischen Gespräch gibt es einschlägige Literatur sowohl für Eltern als auch für betroffene Erwachsene und Kinder, wobei diese Bücher im Aufbau oft auf die Art der Störung Rücksicht nehmen (wenig Fließtext, viele Zeichnungen usw.).

Eliminationsdiät

Studien des ADHS Research Center in Eindhoven mit der Universität Rotterdam zeigen, dass mit Hilfe der Eliminationsdiät bei gewissen Kindern mit ADHS-Symptomen Erfolge erzielt werden könnten. Eine Studie mit 100 Teilnehmern zeigte bei 64 % der damit behandelten Kindern eine signifikante Verminderung der ADHS-Symptome. Diese aßen zunächst nur Reis, Gemüse und Fleisch. Alles andere wurde aus dem Speiseplan eliminiert. Nachdem die ADHS-Symptome verschwunden waren, wurden Mahlzeiten um weitere Nahrungskomponenten ergänzt, um die postulierten Auslöser für ADHS zu identifizieren. Tatsächlich lösten nur einige wenige Lebensmittel ADHS aus, die – gemäß Studie – dauerhaft vermieden werden sollten. Aufgrund der sehr kleinen Teilnehmerzahlen bei bisherigen Eliminationsdiät-Studien sollte hierbei aber noch nicht von einer etablierten, klar signifikanten Behandlungsmethode gesprochen werden. Weitere, umfassendere Studien sind nötig, um diesen Effekt zu bestätigen oder zu widerlegen.[39]

Medikation

Eine Medikation ist bei Mittel- und Schwerbetroffenen in vielen Fällen angezeigt. Ziel dieser Behandlung ist es, die Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Selbststeuerungsfähigkeit zu verbessern sowie den Leidensdruck der Betroffenen zu mindern. In manchen Fällen werden so erst die Voraussetzungen für weitere therapeutische Arbeit geschaffen.[40] Zur medikamentösen Behandlung der ADHS werden in erster Linie Stimulanzien eingesetzt, die den Dopaminstoffwechsel im Gehirn beeinflussen. Dazu gehören Methylphenidat und Amphetaminderivate (D-L Amphetamin), die etwa seit Mitte der 1950er Jahre verwendet werden. Etwa 70 % der Betroffenen sprechen darauf an. Weiterhin können auch auf den Dopamin- oder Noradrenalinhaushalt wirkende Antidepressiva zur Behandlung eingesetzt werden.

Methylphenidat

Methylphenidat (MPH) wird seit 1959 eingesetzt und ist im Rahmen der Kurzzeitwirkung umfangreich untersucht worden. Langzeitanwendungen werden kontrovers diskutiert, bisherige Studien mit Kontrolltomographien haben aber keine Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung durch Methylphenidat ergeben. Trotzdem sollte der Wirkstoff nur nach sorgfältiger ärztlicher Indikationsstellung im Rahmen eines Gesamtbehandlungskonzeptes verordnet werden. In Deutschland wird Methylphenidat unter den Handelsnamen Ritalin,Ritalin LAMedikinetConcertaMethylphenidat Hexal und vielen weiteren vertrieben, da der Produktschutz abgelaufen ist (siehe Generikum). Das bekannteste Methylphenidat-Präparat ist Ritalin. Alle diese Präparate enthalten den gleichen Wirkstoff, jedoch gibt es Unterschiede wie z. B. bei den Füll- und Zusatzstoffen. Ritalin hat beispielsweise eine andere Wirkdauer als Concerta oder Medikinet retard, denn bei retardierten Medikamenten wird der Wirkstoff zeitversetzt und kontinuierlich über den Tag an den Körper abgegeben. Das kann sich je nach Patient unterschiedlich auswirken. Daher sind Wirkung und Nebenwirkung bei jedem Patienten zu kontrollieren, um gegebenenfalls ein anderes Präparat auszuprobieren.

Die Einstellung auf das Medikament mittels Dosistitration, indem der Arzt zunächst die notwendige Einzeldosierung (in der Regel zwischen 5 und 20 mg) und die individuelle Wirkungsdauer (ca. 3–5 h) bestimmt. Anhand von Beobachtungsbögen wird die Wirkung von Eltern, ggf. Lehrern oder Therapeuten beurteilt und danach die Dosierung angepasst. Die notwendige Dosis variiert individuell. Die Höchstdosis liegt bei 1 mg pro kg Körpergewicht, höchstens jedoch 60 mg bei Kindern bzw. 80 mg bei Erwachsenen[41] pro Tag. Sie sollte nur in Einzelfällen und nach strengster Indikationsstellung überschritten werden. Zu bedenken ist hier, dass es bei höheren Dosen bei Kindern zur Wachstumsretardierung kommen kann, die allerdings nach Absetzen der Therapie normalerweise aufgeholt wird.[42] Ein Nicht-Ansprechen auf Methylphenidat kann dafür sprechen, dass es sich beim Patienten um einen Non-Responder handelt, bei dem Methylphenidat nicht wirkt, oder dass die Diagnose nicht richtig gestellt wurde.

Aufgrund der kurzen Wirkzeit kann nach deren Ende ein Rückschlag (rebound) auftreten und eine ausgeprägte Steigerung der Symptome bewirken. Dieser Effekt kann besonders bei Kindern zu Therapiebeginn sowie bei unregelmäßiger Einnahme auftreten, normalisiert sich meist im Verlauf der Therapie. Möglich ist auch das Umstellen auf ein anderes Dosierungsschema oder Medikament. Eine zu hohe Dosis von Methylphenidat führt ebenfalls zu Unruhegefühl oder innerer Anspannung, selten auch zu einem deutlichen Rückgang der Aktivität mit Mattigkeit und einem verminderten Antrieb. Diese Erscheinungen halten nur für die Wirkdauer an und sind reversibel. Durch angemessene Dosisfindung können sie korrigiert werden.

Nebenwirkungen der Behandlung mit Stimulanzien sind normalerweise auf die Einstellungsphase begrenzt und kurzzeitig. Zu den häufigen Nebenwirkungen gehörenAppetitminderung oder Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und seltener Ticstörungen. Während bei einigen Kindern zunächst Schlafprobleme auftreten können, benötigen andere Kinder sogar eine kleine Dosis Methylphenidat, um ihre gedankliche Unruhe und Reizfilterschwäche behandelt zu bekommen und zum Schlaf zu finden.

ADHS-Patienten weisen ein erhöhtes Suchtrisiko auf, weshalb die Gabe von Stimulanzien lange als Risiko für eine spätere Suchtentwicklung galt. In Studien wurde jedoch gezeigt, dass die Gabe von Methylphenidat nicht zu einer Abhängigkeitsentwicklung führt oder beiträgt. Vielmehr scheint sich das Risiko für eine frühzeitige Nikotin-, Alkohol- bzw.Drogenabhängigkeit zu vermindern. Nur bei bewusst missbräuchlicher Verwendung oder extrem hohen Dosierungen besteht die Gefahr einer Toleranz- und einer Abhängigkeitsentwicklung.

Auch bei Erwachsenen stellt die Behandlung mit Methylphenidat nach deutschen Leitlinien die medikamentöse Behandlung der ersten Wahl dar. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat am 14. April 2011 erstmals einer Indikationserweiterung auf Erwachsene zugestimmt. Das erste Produkt mit dieser Zulassung, Medikinet adult, ist im Juli 2011 auf den deutschen Markt gekommen. In der Schweiz wird Methylphenidat von der Krankenkasse auch für Erwachsene bezahlt.

Amphetaminpräparate

Für Patienten, die auf Methylphenidat nicht ausreichend positiv ansprechen oder gar depressive Verstimmungen entwickeln, kann eine Behandlung mit Amphetaminsulfaterfolgversprechend sein. Das zeigt sich bei komorbiden aggressiven Verhaltensstörungen in erhöhtem Maß. Des Weiteren ist Amphetaminsulfat günstig bei sozialen Störungen. Bei der Behandlung von ADHS-Patienten mit komorbider Borderline-Störung hat sich eine geringe Dosis (1–2 mg täglich) bewährt und zeigt häufig stimmungsstabilisierende Wirkung.

In den USA sind Fertigpräparate unter Markennamen wie Adderall (Wirkstoff Dextroamphetamin), Benzedrine sowie Desoxyn® mit dem Wirkstoff Methamphetamin erhältlich.

In Deutschland ist seit Dezember 2011 Attentin – welches als 5 mg Dexamfetaminhemisulfat vorliegt – für Kinder und Jugendliche verfügbar,[43] ferner seit Juni 2013 D-Amphetamin als Prodrug unter dem Namen Elvanse® (Wirkstoff Lisdexamfetamin).[44] Bisher musste man, wie in der Schweiz, Amphetamin als Rohsubstanz verschreiben, was deshalb als Saft oder in Form von Kapseln rezeptiert werden musste.

Atomoxetin

Atomoxetin ist ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer. Der Wirkeintritt kann jedoch im Gegensatz zu Stimulanzien erst nach einigen Wochen beurteilt werden. Das Medikament soll schrittweise auf die Wirkdosis aufdosiert werden.

Hinsichtlich der Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind prinzipiell ähnliche Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Serotonin-Wiederaufnahmehemmern zu beachten. Diesbezüglich liegt seit September 2005 ein Rote-Hand-Brief des Herstellers vor, in dem über ein signifikant erhöhtes Risiko der Begünstigung oder Auslösung von aggressivem Verhalten, Suizidalität und Suizidhandlungen unter Atomoxetin im Vergleich zu Placebo bei Kindern, nicht aber bei Erwachsenen informiert wird.[45] Bei Auftreten von Suizidgedanken unter dem Medikament soll die Einnahme beendet werden. Während der Atomoxetin-Anwendung ist aufmerksam auf Anzeichen für Suizidalität zu achten. Leberschäden sind aufgetreten und haben zu Warnhinweisen durch den Hersteller geführt. Erste Langzeitstudien scheinen die Wirksamkeit einer täglichen Einmalgabe bei ADHS zu belegen.[46]

Zudem wurde in einer deutschen Studie vor kurzem festgestellt, dass Atomoxetin in klinischen Dosen auch als NMDA-Rezeptor-Blocker agiert,[47] was für seine Wirksamkeit bei ADHS große Relevanz haben könnte, da in den letzten Jahren die Hinweise auf eine Beteiligung des glutamatergen Systems an der Pathophysiologie der ADHS stark zugenommen haben.[48]

Weitere Medikation

Darüber hinaus werden trizyklische Antidepressiva eingesetzt, jedoch nur bei einem kleinen Prozentsatz der Betroffenen, bei denen Stimulanzien nicht den gewünschten Effekt haben oder diese aus anderen Gründen ausscheiden. Aufgrund des zumindest bei trizyklischen Antidepressiva ungünstigeren Nebenwirkungsprofils finden sie nur in Ausnahmefällen Verwendung. Es werden auch andere Antidepressiva eingesetzt, wenn Depressionen als Begleit- oder Folgeerkrankungen aufgetreten sind. Beispiele sind:

  • Bupropion ist ein selektiver Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer.
  • Venlafaxin und Duloxetin sind selektive Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer.
  • Reboxetin ist ein hochselektiver Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer, der bei depressiven Patienten vor allem der Antriebslosigkeit entgegenwirken soll. Neben anfänglichem Schwindel, Impotenz und sexueller Unlust tritt häufig ein Gewöhnungseffekt ein und die Wirkung lässt nach. Auch bei schleichendem Absetzen können Entzugserscheinungen wie starke innere Unruhe und Albträume auftreten. Reboxetin soll im Gegensatz zu trizyklischen Antidepressiva nicht zu einer Gewichtszunahme führen. Seit April 2011 ist es jedoch nicht mehr erstattungsfähig.
  • Modafinil ist ein zur Behandlung der Narkolepsie zugelassenes Stimulans, das auch bei der ADHS-Therapie angewandt wird.[49]
  • Mirtazapin ist ein Antidepressivum aus der Klasse der Noradrenalin- und Serotonin-Agonisten (NaSSA), welches noradrenerg und spezifisch serotonerg wirkt. Es steigert primär die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin.[50]
  • Doxepin ist ein Antidepressivum aus der Suchttherapie.
  • Fluoxetin ist ein selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. In hohen Dosen kann Fluoxetin auch die Noradrenalin-Wiederaufnahme hemmen.
  • Häufig haben sich sogenannte Betablocker, wie sie bei Hypertonie, aber auch zur Prophylaxe von Migräneattacken eingesetzt werden, als wirksam erwiesen, da auch sie auf den Noradrenalinhaushalt wirken und Spannungskopfschmerzen häufig Begleitsymptome von ADHS sind.
  • Einen noradrenergen Wirkmechanismus haben auch die α2-Rezeptor-Agonisten Clonidin und Guanfacin, die in den USA bei Kindern mit ADHS eingesetzt werden und dort eine Zulassung besitzen.[49][51]
  • In jüngerer Vergangenheit wird mit einigem Erfolg Memantin eingesetzt, welches zu den NMDA-Rezeptor-Antagonisten gezählt wird und auf das glutamaterge System wirkt. Als positive Wirkungen werden emotionale Stabilisierung und reduzierte Reizüberempfindlichkeit sowie eine verbesserte Selbststeuerung berichtet.[52] Erste Anwendungsstudien bestätigen eine Besserung ADHS-typischer Symptomatik bei guter Verträglichkeit.[53][54] Für eine ausreichend belastbare Einschätzung oder allgemeine Empfehlungen werden allerdings noch weiterführende Studien benötigt.[55]

ADHS und Östrogen

Frauen mit ADHS weisen offenbar stärkere hormonelle Schwankungen auf. Viele ADHS-Frauen leiden u. a. auch an einem prämenstruellen Syndrom bzw. der schwereren Form der sogenannten prämenstruell dysphorischen Störung. In diesen Fällen hat sich die Einnahme von Östrogenpräparaten (z. B. Antibabypille) bewährt.[56][57][58]

Psychotherapie

Psychotherapeutische Behandlungsmethoden gelten als ein wesentlicher Bestandteil im Rahmen der multimodalen Therapie.

Verhaltenstherapie

Zielsetzung verhaltenstherapeutischer Maßnahmen ist, eine möglichst angemessene Kompetenz im Umgang mit den ADHS-Besonderheiten und -Problemen zu erwerben.

Im Kindesalter orientieren sich verhaltenstherapeutische Therapieprogramme daran, in einem Elterntraining Informationen zu ADHS und geeignete Hilfen zum Aufbau von festen Regeln und Strukturen zu vermitteln (z. B. Verstärkersysteme mit einem Token-System oder Response-Cost, Hilfen im Umgang mit Problemverhalten). Weitere Zielsetzungen können die Verbesserung der Selbststeuerung (z. B. durch CoachingSelbstinstruktionstraining oder Selbstmanagement-Therapie) und der Aufbau bzw. die Stärkung desSelbstwertgefühls der Kinder und Jugendlichen sein.

Zur Behandlung wurden Therapieprogramme entwickelt, die speziell auf die Verhaltensprobleme und die Aufmerksamkeit der betroffenen Kinder ausgerichtet sind. Besonders haben sich hierbei operante Therapieprogramme bewährt. Durch verschiedene beiliegende Materialien und Übungen wird versucht, das Verhalten der Kinder und deren Aufmerksamkeit zu verbessern. Sie verwenden zumeist Pläne und versuchen, schon Kindern Wissen über Aufmerksamkeit und strategisches Handeln zu vermitteln. Ein wichtiger Bestandteil sind die Eltern, welche die unterschiedlichen Therapieschritte zumeist unterstützen und kontrollieren müssen.

Das THOP (Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten) ist ein multimodales Behandlungsprogramm für hyperaktives undoppositionelles Verhalten. Es konzentriert sich vor allem auf die Verhaltensstörungen und wird bei schweren Störungen zumeist mit begleitender medikamentöser Therapie durchgeführt. Ein wichtiger Bestandteil des Programmes ist es, auch den Eltern ein positives Erleben des Kindes und mit dem Kind zu ermöglichen. Auch Positives am Kind zu sehen, fällt den Eltern hyperkinetischer Kinder häufig schwer, da diese Kinder sich aus der Sicht der Eltern oft unverständlich und unlogisch verhalten. Das Therapieprogramm kann auch auf die Schule oder den Kindergarten ausgeweitet werden.[59] Weitere bekannte Programme sind das Marburger Konzentrationstraining und das Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern, die dabei helfen sollen, die Aufmerksamkeitsleistung der Kinder zu verbessern.

Zu diesen störungsspezifischen gehören auch Therapieprogramme, die auf die Förderung sozialer Fertigkeiten abzielen. Ein Training sozialer Kompetenzen kann bei der sozialen Integration helfen.

Im Erwachsenenalter werden ebenfalls Methoden der Verhaltenstherapie und der kognitiven Verhaltenstherapie angewandt.

Tiefenpsychologie & Psychoanalyse

Wenn tiefenpsychologische Ansätze im Kontext von ADHS Anwendung finden, dann meist zur Behandlung von Begleitstörungen und Folgeerkrankungen wie z. B. Ängsten, Depressionen, Essstörungen, Suchtproblemen, Persönlichkeitsstörungen. Liegen erhebliche Selbstwertprobleme und negative Selbstüberzeugungen vor, werden tiefenpsychologische Behandlungsmethoden zur Stärkung der Ich-Strukturen eingesetzt.

In der psychoanalytischen Auffassung wird ADHS als Beziehungsstörung, als Folge innerer sowie interpersonaler Konflikte verstanden und behandelt. Ziel ist die Bearbeitung individueller Ursachen, nicht reine Verhaltensmodifikation.[60]

Familientherapie und Systemische Therapie

Familientherapie und Systemische Therapie sind Verfahren der Psychotherapie und der psychologischen Beratung für Paare und Familien. Darin wird die Wahrnehmung der Familie geschult und eine positive Veränderungen und Entwicklungen der Beziehungen zwischen den Mitgliedern von Familien angestrebt. Die verschiedenen Schulen der Familientherapie teilen die Grundannahme, dass die Einbeziehung der Familie in den Therapieprozess die Effektivität einer psychotherapeutischen Behandlung steigert.

Interventionen bei schulischen Problemen

Bei Schwierigkeiten in der Schule oder im Kindergarten können bei vorhandenen Ressourcen neben einer Beratung der Lehrer und Erzieher in Kooperation mit Eltern, Lehrern und Erziehern verhaltenstherapeutische Interventionen installiert werden. Hier können Token-Systeme, ein Response-Cost, die vom Lehrer erteilte Auszeit oder die Selbstmanagement-Therapie verwendet werden.

Sollte das Kind bereits im Vorschulbereich eine stark ausgeprägte Symptomatik aufweisen, kann ein Besuch der Vorschule, eines Förderkindergartens oder der Beginn einer ergotherapeutischen Förderung sinnvoll sein.

Bei Kindern, die an ADHS leiden, muss sorgfältig geprüft werden, welche Schulform ihrer grundlegenden Leistungsfähigkeit entspricht. Dabei muss immer geprüft werden, ob sie schulisch über- oder unterfordert sind. Bei massiven Verhaltensauffälligkeiten kann auch der Besuch einer integrativen Klasse oder Förderschule für Erziehungshilfen notwendig werden. Der Besuch einer Heimschule mit spezieller pädagogischer Förderung kann sinnvoll sein, wenn der Besuch einer Regel- oder Förderschule nicht mehr möglich ist. Hier besteht die Möglichkeit der intensiven pädagogischen Förderung in kleinen Gruppen.[61][34][62]

Weitere Behandlungsunterstützung

Hilfen zur Erziehung

Die Jugendhilfe bietet interessierten Eltern als unterstützende Maßnahmen Hilfen zur Erziehung, zum Beispiel Erziehungsberatungsozialpädagogische Familienhilfe,Tagesgruppen. Dabei wird versucht, mit modernen erzieherischen Methoden und einer speziellen Förderung die oft existierenden Defizite im Verhalten zu verringern und darüber hinaus auch eine Verbesserung der schulischen Leistungen zu bewirken.

Eltern haben auch die Möglichkeit, selbst gewählte Hilfen über das regional zuständige Jugendamt zu beantragen. Nach § 5 SGB VIII besteht für die Eltern ein Wunsch- und Wahlrecht hinsichtlich der Art des Hilfeangebotes und des Anbieters bzw. Beraters. In der Regel reicht es, einen formlosen Antrag auf Hilfe zur Erziehung zu stellen.

Coaching

Bei einem Coaching steht dem Betroffenen neben dem Therapeuten und dem Arzt noch eine Vertrauensperson zur Verfügung, die ihn unterstützt, mit ihm Ziele entwirft und mit ihm gemeinsam Strategien entwickelt, wie diese Ziele zu erreichen sind. Somit arbeitet der Coach fast permanent mit dem Betroffenen und hilft ihm, die getroffenen Vorsätze umzusetzen.

Ergotherapie

Mit ADHS ist häufig eine Neigung zur Grobmotorik und eine Störung der Feinmotorik verbunden. Abhilfe kann hier eine Ergotherapie schaffen. Weiterhin kann die Ergotherapie Hilfe im Bewältigen von alltäglichen Problemen leisten. Dazu zählen u. a. das Erlernen von kompensierenden Strategien, angemessenem Sozialverhalten, sowie Elterntraining und Beratung zur Förderung des Kindes im Alltag.

Nährstofftherapie

Relativ neu ist ein Behandlungsansatz mittels Nährstofftherapie. Studien an den Universitäten Oxford und der Universität von Südaustralien haben gezeigt, dass die tägliche Gabe von Omega-3-Fettsäure die Symptome der Hyperaktivität gegenüber einer Kontrollgruppe nach einigen Wochen stark reduziert hat, wobei einmal „mittlere bis starke Behandlungseffekte“ aufgezeigt wurden[63] und einmal „Verbesserungen gegenüber der Placebogruppe in Lesen, Schreiben und Verhalten nach drei Monaten Behandlung“ festgestellt wurde.[64] In anderen Studien wurde Magnesium,[65] Zink (das wie Methylphenidat mit hoher Affinität an den Dopamin-Transporter bindet)[66][67] und Vitamin E als Lebensmittel- oder Nahrungsergänzungspräparate gegeben. Ebenfalls wird empfohlen, den Konsum von Lebensmitteln mit hoher glykämischer Last zu vermeiden und möglichst proteinhaltige und kohlenhydratreiche Nahrung zu verzehren. Ob es sich dabei um einen wissenschaftlichen Ansatz oder um eine diätetische Mode handelt, sei dahingestellt. Überblickartikel betonen, dass Omega-3-Fettsäuren bei einigen Betroffenen zu wirken scheinen, aber nicht bei allen.[68] Ältere, mittlerweile verworfene Ansätze führten ADHS auf einen Phosphatüberschuss in der Nahrung zurück, was jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.

Alternative Behandlungen

Neurofeedback-Training

Neurofeedback ist eine Spezialform eines Biofeedback-Trainings, bei der eine trainierende Person computerunterstützt optische oder akustische Rückmeldung über Veränderungen der EEG-Signale ihres Gehirns erhält. Quantitative EEG-Untersuchungen (QEEG) zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung haben gezeigt, dass eine von ADHS betroffene Person eine vom Optimum abweichende Frequenzverteilung ihrer EEG-Wellen (z. B. bei zu viel high-Beta = Überaktivierung bzw. zu viel low-Theta = zu wenig Aufmerksamkeit bzw. zu verträumt) hat,[69] die als Fehlregulation in der Selbstregulation des Gehirns angesehen werden und mittels operanter Konditionierung in eine gewünschte positive Richtung trainiert werden kann und damit über die Verbesserung der Gehirnleistungsfähigkeit eine Befindlichkeitsverbesserung bewirken kann.[70] Als Indikator für die Diagnose ADHS dient nach Monastra u. a. das Amplituden-Verhältnis bzw. die sog. Power-Ratio der Theta und Beta-Frequenzbänder der EEG-Wellen. Falls der Quotient Theta/Beta-Amplitude oder Power mehr als 1,5 Standardabweichungen gegenüber dem Mittelwert der gleichaltrigen Normgruppe nach oben abweicht, kann ADHS mit einer 86-prozentigen Wahrscheinlichkeit diagnostiziert werden, und weniger als 2 % der mit dieser Diagnosemethode idenitifzierten Fälle werden unzutreffend diagnostiziert.

Insbesondere seit der Verfügbarkeit von zur Realtime-Frequenzanalyse genügend leistungsfähigen Personalcomputern – beginnend ab den 1990er Jahren – hat das Neurofeedbacktraining eine weitere Verbreitung gefunden, ausgehend von Forschern und Geräteentwicklern in den USA. Weitergehende Forschungen, Studien zur Klärung noch ungelöster Fragen und Erfahrungsaustausch auf Fachtagungen auf den Gebieten des Neurofeedbacks werden angestrebt.

Eine Metastudie aus dem Jahr 2009 (15 Studien mit 1194 Studienteilnehmern) kommt zu dem Ergebnis, dass ADHS wirksam mit Neurofeedback behandelt werden kann. In dieser Metastudie erreichten die Neurofeedbackgruppen im Vergleich zu den Kontrollgruppen eine mittlere bis große Effektstärke (ES) in Bezug auf die Kernsymptome Unaufmerksamkeit (ES 0.81) und Impulsivität (ES 0.69) sowie eine mittlere ES im Bezug auf die Hyperaktivität (ES 0.40).[71]

Wirkungslose und umstrittene Ansätze

Andere Ansätze können aufgrund der Ergebnisse von Untersuchungen und Doppelblind-Studien als wirkungslos gegenüber ADHS angesehen werden. Auch sind sie häufig gesundheitlich bedenklich.

Eine homöopathische Behandlung von Kindern mit ADHS zeigt sich in aktuellen Studien als der Gabe von Placebos nicht[72] oder nur sehr gering[73] überlegen. Sie ist daher ungeeignet, eine konventionelle Therapie zu ersetzen und lediglich als eine mögliche Ergänzung zu betrachten.

Die Behandlung mit sogenannten AFA-Algen ist gefährlich, da Blaualgen im Allgemeinen Toxine beinhalten, die sowohl die Leber als auch das Nervensystem nachhaltig schädigen können. Das kanadische Gesundheitsministerium sah sich nach entsprechenden Untersuchungen veranlasst, eine entsprechende Meldung herauszugeben und vor der Einnahme zu warnen – ebenso wie das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin.[74]

Non-Responder

Ein Non-Responder ist ein Mensch, der auf ein bestimmtes Medikament keine oder nicht die erwartete Wirkung zeigt. Das gibt es auch bei ADHS in bis zu 30 % der Fälle.

Krause und andere fassten den Stand der Forschung zusammen, dass zur Entstehung der striatofrontalen Dysfunktion, und damit ADHS, eine Schwelle von verschiedenen defekten Genen überschritten werden muss. Einige dieser Gene sind ebenfalls für andere Erbkrankheiten wie das Fragile-X-Syndrom, das Restless-Legs-Syndrom oder dasTourette-Syndrom verantwortlich, sodass hier häufig ein Zusammenhang besteht. Klinische Studien ergaben auch teils verschiedene Gendefekte bei den einzelnen Typen der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Krause u. a. schließen daraus, dass sich verschiedene Symptome verschiedenen Defekten zuordnen lassen.

Das erklärt auch die Raten an Non-Respondern bei Methylphenidat (greift in den Dopamin-Haushalt ein) und Atomoxetin (greift in den Noradrenalin-Haushalt ein). Wenn bei einem spezifischen ADHS-Patienten der Dopamin-Haushalt nicht gestört ist, weil die Schwelle durch andere Gene überschritten wurde, zeigt er keine ADHS-typische Wirkung auf Methylphenidat; entsprechendes gilt für Atomoxetin. In allen Fällen wurde aber eine signifikante Störung des Serotonin-Haushalts festgestellt, was zu einer Neigung zu Ängsten und Depressionen führt.

Krause u. a. schließen mit einem Ausblick, dass eine sichere Medikation und Behandlung erst dann möglich sein wird, wenn man alle an der Störung beteiligten Gene identifizieren und deuten kann.

Komorbiditäten und Folgeerkrankungen

Wird ADHS nicht diagnostiziert bzw. wird auch sonst keinerlei Hilfe und Therapie durchgeführt, hat das häufig Auswirkungen auf das Umfeld. Der Betroffene kann auf sein Umfeld „desinteressiert“, „faul“, „dumm“ oder „arrogant“ wirken; er macht die Erfahrung des Schulversagens, und im Kindesalter erlebt er immer wieder Sanktionen für sein Verhalten durch Eltern, Lehrer und andere Gruppen. Erst nach der ADHS-Diagnose können diese Personen und das Umfeld erfahren, wie sie das Verhalten richtig einschätzen können.

Die Schwierigkeiten im Umfeld des Betroffenen senken seine Motivation und führen häufig zu schlechteren Schulabschlüssen. Häufig schlagen ADHS-Betroffene eine Karriere unter ihren intellektuellen Möglichkeiten ein.

Die Komorbidität bezeichnet in der Medizin das Vorhandensein von mehreren Diagnosen gleichzeitig. Im Falle einer psychischen Störung stehen zumeist auch komorbide psychische Krankheiten im Blickpunkt, die ursächlich mit der Grunderkrankung zusammenhängen können oder ohne erkennbaren Zusammenhang nebenher existieren. Da psychische Krankheiten zumeist sehr komplex sind und auch komplexe Symptome aufweisen, werden die statistisch besonders häufig zusammen mit einer ADHS diagnostizierten Krankheitsbilder vermehrt aufgeführt. Dadurch kann in der Diagnose und Behandlung auch auf diese Störungen eingegangen werden, und sie laufen nicht Gefahr, in der Diagnose übersehen zu werden. Bei der ADHS werden insbesondere die Störung des Sozialverhaltens und umschriebene Entwicklungsstörungen als häufigste komorbide Erkrankung beschrieben. Am häufigsten übersehen werden emotionale Störungen.

Ob die oft mit schwerem ADHS einhergehenden Störungen des Sozialverhaltens eine Ausprägung von ADHS sind oder ob sie durch die gestörte Eltern-Kind-Beziehung und die Isolation von Gleichaltrigen entstehen, wird in der Fachwelt diskutiert.

Komorbidität im Kindes- und Jugendalter

Störungen des Sozialverhaltens

Störungen des Sozialverhaltens bezeichnen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein anhaltendes Muster von unkontrollierten, dissozialen, aggressiven und aufsässigen Verhaltensweisen. Wegen des häufigen gemeinsamen Vorkommens von ADHS und der Störung des Sozialverhaltens wird immer noch diskutiert, ob es sich bei diesen Störungsbildern tatsächlich um getrennte Störungen handelt.

Aufgrund des häufigen Auftretens kann die komorbide Diagnose unter einem einzigen Code im ICD-10 als F90.1 Hyperkinetische Störung mit Störung des Sozialverhaltensdiagnostiziert werden.

Die Störung des Sozialverhaltens selbst ist aufgeteilt in verschiedene spezifische Diagnosen, welche den besonderen persönlichen und sozialen Umständen des Kindes oder Jugendlichen Rechnung tragen und eine genauere Klassifizierung ermöglichen.

  • Auf den familiären Rahmen beschränkte Störung des Sozialverhaltens
Hier wird speziell Verhalten aufgeführt, welches Muster dissozialen, aggressiven oder aufsässigen Verhaltens mit Verletzungen altersentsprechender sozialer Erwartungen zeigt und auf den familiären Rahmen beschränkt ist, also nicht in der Schule oder mit Spielkameraden auftritt.
  • Störung des Sozialverhaltens bei fehlenden sozialen Bindungen
  • Störung des Sozialverhaltens bei vorhandenen sozialen Bindungen
  • Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem, aufsässigem Verhalten
Dies sind Störungen, die als Vorform der Störung des Sozialverhaltens gelten. Sie kommen zumeist in jüngeren Jahren vor. Auch sind sie selten von Gewalt geprägt.
  • sonstige Störungen des Sozialverhaltens
  • Störung des Sozialverhaltens, nicht näher bezeichnet

Umschriebene Entwicklungsstörungen

Umschriebene Entwicklungsstörungen, schulische Leistungsdefizite und Hinweise auf Teilleistungsschwächen sind eine weitere häufig vorkommende komorbide Störung. Damit werden spezifische Mängel in der Verarbeitungsfähigkeit des Gehirnes bezeichnet, die zu Schwierigkeiten in der Aneignung schulischer Fertigkeiten führen.

Sie umfassen laut ICD-10:

  • Lese-Rechtschreibstörung
  • Isolierte Rechtschreibstörung
  • Rechenstörung oder Dyskalkulie
  • Kombinierte Störungen schulischer Fertigkeiten
  • Sonstige Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
  • Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten, nicht näher bezeichnet

Intelligenzminderung

Unter Intelligenzminderung oder geistige Behinderung versteht man eine im Vergleich zu einem Durchschnittswert verminderte mentale Leistungsfähigkeit, so zum Beispiel eine geistige Behinderung, motorische oder handwerkliche Ungeschicklichkeiten oder einen Mangel an sonstigen, im Anwendungsfall spezifizierten Fähigkeiten.

Die Intelligenzminderung wird medizinisch definiert als eine deutlich geminderte kognitive Fähigkeit und im ICD-10 unter den Nummern F70–F79 beschrieben.

Tic-Störungen

Tic-Störungen (einschl. Tourette-Störung) gehören ebenfalls zu den komorbiden Störungen von ADHS. Als Tic bezeichnet man eine rasche, unwillkürliche, unregelmäßig wiederkehrende Entladung in einzelnen Muskeln oder Muskelgruppen. Betreffen diese den Hals-Nasen-Rachen-Raum bzw. die Stimmlippen bezeichnet man das Geräusch als vokalen Tic. Auffallend wird ein Tic durch teilweise heftige Körperbewegungen oder Lautäußerungen bzw. das Rufen von Worten bis hin zu Sätzen. Das Tourette-Syndrom ist durch das Auftreten der Kombination mehrerer motorischer und mindesten eines vokalen Tics über mindestens 1 Jahr charakterisiert.

Negatives Selbstkonzept oder depressive Störungen
Ein negatives Selbstkonzept, also eine überwiegend negative Sicht der eigenen Person und des eigenen Handelns, oder eine Depression sind weitere häufige komorbide Erkrankung im Kindesalter.

Angststörungen

Bei unbehandeltem ADHS kann es wegen der ständigen sozialen Konflikte zu Angststörungen wie der sozialen Phobie kommen. Häufiges Versagen in Schule und Beruf kann zu der Entwicklung von Leistungsangst oder zu einer Anpassungsstörung beitragen.

Beeinträchtigte Beziehungen

Beziehungen zu Familienmitgliedern, zu Erziehen oder Lehrern und zu Gleichaltrigen können beeinträchtigt sein.

Sprach- und Sprechstörungen

Als Sprachstörung werden überwiegend motorische Störung bei der Lauterzeugung verstanden. Eine Sprechstörung gilt als zusammenfassende Kategorie von Störungen des Redeflusses wie Stottern oder Poltern. Zentrale Störungen der Sprechmotorik wie Dysarthrie und Stammeln.

Zwangsstörungen

Zwangsstörungen zeigen sich, indem sich bei den Patienten Gedanken und Handlungen aufdrängen, die zwar als quälend empfunden werden, aber dennoch umgesetzt werden müssen. Es besteht zumindest zeitweise Einsicht, dass die Zwangsgedanken oder -handlungen übertrieben sind. Durch die Störung ergeben sich deutliche Beeinträchtigungen des Alltagsleben oder Belastungen.

Komorbidität im Erwachsenenalter

Sucht

Bei unbehandelten ADHS-Betroffenen ist die Gefahr, eine Sucht auszubilden, um ein Vielfaches größer als bei Nichtbetroffenen. Auf dem 9. Suchtmedizinischen Kongress 2000 in München stellte Michael Huss eine Studie vor, die besagt, dass behandelte Betroffene ein signifikant geringeres Suchtrisiko als unbehandelte haben. Das Suchtrisiko behandelter Betroffener entsprach dem einer Normalperson. Neurologen sehen den Grund für die erhöhte Suchtneigung ADHS-Betroffener darin, dass diese mit Drogen versuchen, eineSelbstmedikation durchzuführen. Alkohol, Nikotin und viele Drogen wirken auf den gestörten Dopaminhaushalt so, dass der Betroffene sich unter dem Einfluss dieser Stoffe ruhiger und leistungsfähiger fühlt. Da diese Stoffe schlecht kontrollierbare Nebenwirkungen haben und eine Abhängigkeit durch die Gewöhnung entwickelt werden kann, besitzen Personen mit ADHS ein hohes Suchtpotential.

Affektive Störungen

Affektive Störungen sind eine ganze Gruppe von Störungen und Diagnosen, die sich von der Manie und der bipolaren Störung bis zur Depression erstreckt. Allen Störungen ist eine anhaltende Störung der Affekte, also der Grundstimmung, gemein.

Angststörungen

Angststörungen bezeichnen erneut eine ganze Gruppe von Störungen, in denen eine Angst vor einem Objekt oder einer Situation im Vordergrund steht, die nicht angemessen ist.

Zu den Angststörungen gehören nach der ICD-10:

Persönlichkeitsstörungen

Persönlichkeitsstörungen sind verschiedene überdauernde Erlebens- und Verhaltensmuster mit Beginn in der Kindheit und Jugend, die von einem flexiblen, situationsangemessenen („normalen“) Erleben und Verhalten in jeweils charakteristischer Weise abweichen. Sie sind durch relativ starre mentale Reaktionen und Verhaltensformen gekennzeichnet, vor allem in Situationen, die für die jeweilige Person konflikthaft sind. Die persönliche und soziale Funktions- und Leistungsfähigkeit ist meistens beeinträchtigt.

Somatisierungsstörungen

Somatoforme Störungen sind körperliche Störungen, die nicht auf eine organische Ursache zurückgeführt werden können, also psychisch bedingt sind.

Stärken der Betroffenen

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Neben den negativen Symptomen haben ADHS-Betroffene auch einige Stärken oder positive Eigenschaften. Diese wurden beispielsweise von Bernd Heßlinger aufgelistet und den Schwächen gegenübergestellt. In der Psychotherapie wird versucht, solche Stärken zu fördern.

Zu den häufigen Stärken von ADHS-Betroffenen gehören

  • Hypersensibilität, die sie Veränderungen sehr schnell erfassen lässt, was sich meist in einer besonderen Empathie und einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn äußert,
  • Begeisterungsfähigkeit, die sich in besonderer Kreativität und Offenheit äußern kann,
  • Impulsivität, die sie, richtig dosiert, zu interessanten Gesprächspartnern macht,
  • der Hyperfokus, einem Flow-ähnlichen Zustand, der zu langem, ausdauerndem und konzentriertem Arbeiten an bestimmten Themen (aber auch zum Tagträumen, zur Vernachlässigung der äußeren Realitäten oder zu sozial störender Perseveranz) führen kann.

Hyperaktivität kann auch zu besonderer Begeisterung am Leistungssport führen.

Alle diese Stärken sind ADHS-Symptome, die sich Betroffene mit leichter bis mittlerer ADHS und in Grenzen auch schwer Betroffene nutzbar machen können. Am ehesten gelingt das im Rahmen einer Verhaltenstherapie.

Thom Hartmann hat in seinem Buch Eine andere Art, die Welt zu sehen die These aufgestellt, Betroffene seien aus genetischer Sicht die Nachfahren der steinzeitlichen Jäger und Sammler. Ihm zufolge ist die heutige moderne Gesellschaft eine Weiterentwicklung der Gesellschaft sesshaft gewordener Bauern. Um sich in dieser Gesellschaftsform leicht zurechtzufinden, benötigt man andere Voraussetzungen und Fähigkeiten, als in einer von Jägern geprägten Gesellschaft. Dieser Unterschied zwingt Jäger dazu, sich mit ihren anderen Fähigkeiten und Voraussetzungen einer Bauern-Gesellschaft anzupassen. Wie ein Bauer zu leben, stellt für Jäger jedoch eine permanente potentielle Belastung dar. Daher stehen sie vor der Aufgabe, einen Weg zu finden, sich ihre Fähigkeiten trotz der ungünstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Vorteil machen zu können. Das Ziel ist, mehr Anerkennung für ihre besonderen Talente zu erlangen und weniger „anzuecken“.[75]

Auch hochbegabte Kinder können von ADHS betroffen sein. Es bleibt allerdings unklar, ob die Störungen der Kinder primär von ADHS oder dem falschen Umgang mit ihrer Hochbegabung herrühren.[76]

Kontroversen um ADHS

Zwar ist ADHS schon lange bekannt, und es gibt viele Langzeitstudien zur Behandlung mit Methylphenidat sowie zur Auswirkung von unbehandeltem ADHS auf die Biographie der Betroffenen, aber die Durchbrüche in der Erforschung der Genese von ADHS und das Begreifen als neurobiologische Störung folgten erst seit Alan Zametkins PET-Studie von 1990. Der neurologische Wirkmechanismus ist, wie zum Beispiel bei Schizophrenie und anderen neurologisch bedingten psychischen Störungen, noch nicht vollständig entschlüsselt. Der aktuelle Forschungsstand ist außerhalb der Neurologie zudem nicht immer ausreichend bekannt, um Fehlinformationen und unsachlichen Argumenten vorzubeugen. Außerdem werden häufig Ängste vor dem unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden Methylphenidat und die vermeintliche Persönlichkeitsveränderung von ADHS-Betroffenen durch Medikation und Verhaltenstherapie aufgegriffen. Die daraus resultierende Verunsicherung von Eltern Betroffener und folgende Verweigerung einer medikamentösen Behandlung kann ein ADHS-Kind, sofern es medikationsbedürftig ist und ein Coaching offenkundig nicht ausreicht, den erweiterten Risiken von Sucht, Depression und gesellschaftlichem und sozialem Abstieg aussetzen.[77]

ADHS als von der Pharmaindustrie gekaufte Diagnose

Im Zuge der Planungen für die Neuauflage des Diagnose-Handbuchs der American Psychiatric Association (engl.: Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders oder abgekürzt: DSM) stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der Autoren der ADHS-relevanten Kapitel Einkünfte von der Pharmaindustrie erhielten. Diese bestanden beispielsweise aus Vergütungen für Vorträge oder Wirksamkeitsstudien. Aus diesem Grund wurden die Autoren des 2012 erscheinenden DSM-V dazu verpflichtet, ihre Einkünfte offenzulegen. Diese dürfen während der Erstellung des neuen DSM-V nicht mehr als 10.000 US-Dollar pro Jahr betragen. Befürchtet wurde, dass durch die Gelder, die durch die Pharmaindustrie fließen, die Objektivität der Autoren beeinflusst wird. So bestünde beispielsweise bei ADHS die Möglichkeit, dass die Kategorien zu weit gefasst wurden, so dass praktisch jedes Kind unter die Diagnose falle.[78][79][80][81]

ADHS als gesellschaftliches Konstrukt

Vertreter der Meinung, dass ADHS ein gesellschaftliches Konstrukt sei, sind der Ansicht, dass ADHS im Grunde zum normalen Spektrum des menschlichen Verhaltens gehöre. Sie lehnen die Einordnung der typischen Auffälligkeiten als Störung, ganz oder teilweise, ab oder interpretieren die Symptomatik als Folge der aktuellen Lebensumstände. Begründet wird das unter anderem mit einer veränderten Kindheit, erhöhten Ansprüchen an Zweckmäßigkeit und reibungsloses Funktionieren, einem den Bedürfnissen der einzelnen Kinder nicht genügenden Schulsystem, abnehmender gesellschaftlicher Toleranz gegenüber den Ausprägungen kindlichen Verhaltens sowie einer Umwelt, die von Bewegungsarmut, Reizüberflutung, Leistungsdruck, Sinnentleerung und Vernachlässigung gekennzeichnet sei. Daher wird die Etikettierung von Kindern als „krank“ und eine medikamentöse Behandlung als fehlerhaft und möglicherweise schädlich angesehen.[82]

ADHS als „Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“

Der als „wissenschaftlicher Vater“ von ADHS geltende amerikanische Kinderpsychiater und -psychologe Leon Eisenberg, erklärte 2009 dem Wissenschaftsjournalisten Jörg Blechin einem Interview: „ADHS ist ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung. Die genetische Veranlagung für ADHS wird vollkommen überschätzt.“ Eisenberg zufolge sollten Kinderpsychiater ein größeres Augenmerk auf psychosoziale Umstände legen, die als möglicher Grund für Verhaltensauffälligkeiten gesehen werden. Weiterhin sollte das innerfamiliäre Verhältnis mit etwaigen Problemen beleuchtet werden, beispielsweise ob die Eltern auch weiterhin zusammenleben. Die Beantwortung dieser Fragen sei aber sehr zeitaufwändig. Eisenberg dazu: „Eine Pille verschreibt sich dagegen ganz schnell.“[83][84][85]

ADHS als Normvariante

ADHS kann als eine Form der Wahrnehmung und des Denkens aufgefasst werden, die Stärken und Schwächen mit sich bringt. Eine Behandlung führt nicht zu einer „Heilung“, sondern ermöglicht es dem Betroffenen, mit den Schwächen umzugehen, die Stärken auszubauen und gezielt einzusetzen. Wenn der Betroffene jedoch unbehandelt bleibt und Schwierigkeiten hat, sich in sein Umfeld zu integrieren, können Folgeerkrankungen wie Depressionen oder soziale Phobien entstehen. Diese kann man durch geeignete Methoden therapieren, aber eine vollständige „Heilung“ in dem Sinne, dass die für ADHS typische Wahrnehmung und das typische Denken verändert werden, gibt es nicht.

Ob ADHS als Krankheit, Störung oder als Gabe angesehen werden muss, hängt hauptsächlich von den individuellen Defiziten, der sozialen Situation und der Intensität des Leidensdruckes ab. Der US-amerikanische Mediziner Edward M. Hallowell hat ADHS als eine „Art zu leben“ beschrieben:

„Jemand sagte mal: ‚Zeit ist das Ding, das alles davon abhält, zugleich zu passieren.‘ Zeit stückelt Momente in kleine Teilchen, so dass wir eine Sache nur zu einem bestimmten Zeitpunkt tun können. Bei ADS kollabiert die Zeit. Zeit wird ein schwarzes Loch. Für eine ADS-Person ist es, als ob alles zugleich geschieht. Das schaffe ein Gefühl des inneren Tumults oder sogar der Panik. Das Individuum verliert die Perspektive und die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen. Vielfach sind diese Leute hoch intuitiv und vorstellungsbegabt. Sie haben ein ‚Gefühl‘ für Dinge, eine Art, die Ursache von Dingen sofort verstehen zu können, während andere ihren Weg auf methodische Art durchdenken müssen. Es ist wichtig für andere, gegenüber diesem ‚sechsten Sinn‘, den viele ADSer haben, sensibel zu sein und ihn zu bemuttern. ADS ist eine Lebensgestaltung, und bis vor kurzem war es versteckt, auch vor denen, die es haben. Das menschliche Erleben von ADS ist mehr als eine Sammlung von Symptomen: ADS ist eine Art zu leben.“[86]

Thom Hartmann beschreibt ADHS auch als das „Edison-Gen“ und weist so darauf hin, dass geniale, sehr produktive Menschen wie Mozart, Edison, Richard Wagner oder Albert Einstein genetisch durch ADHS geprägt gewesen sein könnten.

Abgrenzbarkeit der ADHS

Kritiker gehen davon aus, dass es sich bei ADHS nicht um ein abgrenzbares und spezifisches Syndrom handelt, sondern um eine unspezifische Sammlung von Symptomen, wie sie ihrer Meinung nach auch bei anderen systemischen Erkrankungen, zum Beispiel aus dem rheumatoiden Formenkreis, zu finden seien. Auch zeigten viele psychogene Störungsbilder ähnliche Symptome. Sie nehmen an, dass die Probleme von ADHS-Betroffenen einen anderen Hintergrund haben und die Unterordnung unter eine gemeinsame Diagnose somit sehr willkürlich sei.

Psychoanalytische Theorien

Aus Sicht einiger Entwicklungspsychologen und Psychoanalytiker wird es für unwahrscheinlich gehalten, dass die entsprechenden Symptome auf einem angeborenen Stoffwechseldefekt basieren. Vielmehr müssten frühkindliche lebensgeschichtliche Faktoren als ursächlich angesehen werden. ADHS steht mit einem veränderten Stoffwechsel im Gehirn in Verbindung. Dieser veränderte Stoffwechsel müsse jedoch keine ursächliche Erklärung für das Verhalten der Kinder darstellen. Ebenso gut könne man annehmen, dass sich das plastische menschliche Gehirn bei ADHS-Kindern so entwickelt hat, weil sie bestimmte Erfahrungen machten. Diese ebenfalls in der Psychologie vertretene These sieht den Grund des Verhaltens eher in den Erfahrungen des Kindes als in der Vererbung. Aus tiefenpsychologischer Sicht sind die Eltern und Erzieher also integraler Bestandteil des Phänomens und die Störungen im Verhalten der Kinder nur Manifestationen der Verhaltensprobleme ihrer Bezugspersonen. Ebenso wird hyperaktives Verhalten als Kompensation von Ängsten und Konflikten oder als manische Abwehr depressiver Ängste und der Selbst-Objekt-Abgrenzung verstanden.[87]

Disease Mongering

Einige Kritiker bestreiten die Existenz von ADHS und bezeichnen die Störung als Modekrankheit, welche von der Pharmaindustrie und den mit ihr kooperierenden Neurologen und Psychiatern nur konstruiert wurde, um neue Medikamentenabhängigkeiten und Absatzmärkte zu schaffen (Disease Mongering).

Indigo-Kinder

Nach einer in der Esoterik-Szene verbreiteten These der angeblich übersinnlich begabten Amerikanerin Nancy Ann Tappe würde seit den 1970er Jahren eine Generation von sogenannten Indigo-Kindern geboren werden. Diese Kinder seien sowohl mit schwierigen Persönlichkeitsmerkmalen als auch mit besonderen spirituellen Fähigkeiten ausgestattet. Die medizinische Kategorisierung der Verhaltensauffälligkeit als ADHS wird abgelehnt; stattdessen werden die Kinder als Vorboten und Vollbringer einer neuen und besseren Welt gesehen. Die Theologen Andreas Fincke und Matthias Pöhlmann stehen dem Konzept der Indigo-Kinder, das in der Ratgeberliteratur für Eltern vielfach verbreitet wird, kritisch gegenüber und sehen in ihm einen „Inbegriff einer fortschrittsoptimistisch gestimmten Heils- und Zukunftshoffnung“, die jedoch in der Gefahr stehe, den betroffenen Kindern medizinische Hilfe vorzuenthalten.[88]

Verbände, Selbsthilfegruppen

Es gibt einen ADHS Deutschland e. V. (Berlin). Er beschreibt sich als „gemeinnütziger Selbsthilfeverein mit ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern auf Bundes-, Landes- und örtlicher Ebene“, und er „ist in über 250 Selbsthilfegruppen und einem Telefonberaternetz bundesweit tätig“.[89]

Die Bundesregierung fördert www.zentrales-adhs-netz.de – „für Betroffene, Angehörige, Bezugspersonen, Ärzte“.[90]

Literatur

  • Manfred Döpfner: Hyperkinetische Störungen. In: Franz Petermann (Hrsg.): Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie. 6., vollständig überarbeitete Auflage, Hogrefe, Göttingen 2002, ISBN 3-8017-2157-4, S. 152–179.
  • Franz-Josef Hücker: Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom: Forschung und Perspektive. In: Psychotherapie Forum. Vol. 13, Nr. 2, 2005 (Springer Wien), S. 41–46.
  • Johanna Krause, Klaus-Henning Krause: ADHS im Erwachsenenalter. Die Aufmerksamkeitsde-fizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen. 3. vollst. akt. und erw. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-7945-2533-1.
  • Gerhard W. Lauth, Hanna Raven: Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) im Erwachsenenalter. Ein Review. Psychotherapeutenjournal 1/2009, S. 17–30(PDF).
  • Marianne Leuzinger-Bohleber, Yvonne Brandl, Gerald Hüther (Hrsg.): ADHS – Frühprävention statt Medikalisierung. Theorie, Forschung, Kontroversen. Schriften des Sigmund-Freud-Institutes Bd. 4. Vandenhoek & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-45178-4.
  • Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy (Hrsg.): ADHS bei Erwachsenen – ein Leben in Extremen. Ein Praxisbuch für Therapeuten und Betroffene. 1. Auflage. W. Kohlhammer, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-17-021068-4.
  • Paul H. Wender: Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Ein Ratgeber für Betroffene und Helfer [Mit einem Vorwort von Götz-Erik Trott], (Originaltitel: ADHD: Attention Deficit Hyperactivity Disorder in Children and Adults übersetzt von Frank Badura). Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-017097-X.

Weblinks

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen↑ Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. LangfassungBundesärztekammer, 26. August 2005, abgerufen am 3. Februar 2013 (PDF; 1,0 MB). Hier S. 5.
  2. ↑ Hochspringen nach:a b Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Langfassung. Bundesärztekammer, 26. August 2005, abgerufen am 3. Februar 2013 (PDF; 1,0 MB). Hier S. 36.
  3. ↑ Hochspringen nach:a b Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Langfassung. Bundesärztekammer, 26. August 2005, abgerufen am 3. Februar 2013 (PDF; 1,0 MB). Hier S. 42.
  4. ↑ Hochspringen nach:a b c d e G. W. Lauth, P. F. Schlottke: Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. Beltz, Weinheim 2002.
  5. ↑ Hochspringen nach:a b c d Silvia Schneider, Jürgen Margraf: Lehrbuch der Verhaltenstherapie: Störungen im Kindes- und Jugendalter. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2009, S. 412–428.
  6. Hochspringen↑ Johanna Krause, Klaus-Henning Krause: ADHS im Erwachsenenalter. 2009, ISBN 978-3-7945-2533-1, S. 62 f.
  7. Hochspringen↑ Georg Keller, Marie-Therese Zierau: Hilfe bei AD(H)S. Knaur, 2004, S. 10 ff.
  8. Hochspringen↑ Vorbereitung der Erhebung und Auswertung zur Prävalenz des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) in Deutschland im Rahmen des Kinder- und Jugend-Surveys des Robert-Koch-Instituts (PDF; 29 kB) Abgerufen am 6. Januar 2011.
  9. ↑ Hochspringen nach:a b c Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ – LangfassungBundesärztekammer, 26. August 2005, abgerufen am 3. Februar 2013 (PDF; 1,0 MB).
  10. Hochspringen↑ B. Brühl, M. Döpfner, G. Lehmkuhl: Der Fremdbeurteilungsbogen für hyperkinetische Störungen (FBB-HKS) – Prävalenz hyperkinetischer Störungen im Elternurteil und psychometrische Kriterien. In: Kindheit und Entwicklung. 9 (2000), S. 115–125.
  11. Hochspringen↑ Günter-Manfred Pracher: Einfach nur leben. Behindert – ein Leben am Rand der Gesellschaft? GRIN Verlag, München 2008, ISBN 978-3-640-23111-9, S. 64.
  12. Hochspringen↑ A. Baumgaertel, M. Wolraich, M. Dietrich: Comparison of diagnostic criteria for attention deficit disorder in a German elementary school sample. In: Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry. 34 (1995), S. 629–638.
  13. Hochspringen↑ Helmut Remschmidt, Philip Heiser: Zertifizierte Medizinische Fortbildung: Differenzierte Diagnostik und multimodale Therapie hyperkinetischer Störungen. In:Deutsches Ärzteblatt, 101. Jg., Heft 37, 10. September 2004, A 2457–2466. Abgerufen am 3. Februar 2013.
  14. Hochspringen↑ George Bush u. a.: Functional Neuroimaging of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder: A Review and Suggested Future Directions. In: Society of Biological Psychiatry (Hrsg.): Biol Psychiatry, 57(11):1273-84, 1. Juni 2005, PMID 15949999 (PDF; 285kb).
  15. Hochspringen↑ Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. LangfassungBundesärztekammer, 26. August 2005, abgerufen am 3. Februar 2013 (PDF; 1,0 MB). Hier Kap. 4.1/S. 21–22.
  16. Hochspringen↑ Tabakqualm macht Kinder hyperaktiv. In: sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 4. Februar 2013.
  17. Hochspringen↑ Simon Rückinger u. a.: Prenatal and Postnatal Tobacco Exposure and Behavioral Problems in 10-Year-Old Children. In: Environmental Health Perspectives, 1. Dezember 2009, abgerufen am 4. Februar 2013.
  18. Hochspringen↑ Confirmation and extension of association of blood lead with attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) and ADHD symptom domains at population-typical exposure levels. ncbi.nlm.nih.gov. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  19. Hochspringen↑ Low blood lead levels associated with clinically diagnosed attention-deficit/hyperactivity disorder and mediated by weak cognitive control. ncbi.nlm.nih.gov. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  20. Hochspringen↑ Case-control study of blood lead levels and attention deficit hyperactivity disorder in Chinese children. ncbi.nlm.nih.gov. Abgerufen am 6. Januar 2011.
  21. Hochspringen↑ „Schwangere Frauen sollten große Mengen Lakritze meiden“. 18. Oktober 2009. In: American Journal of Epidemiology/Associated Press, abgerufen am 26. Januar 2010.
  22. Hochspringen↑ Erkennen – Bewerten – Handeln: Zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (PDF; 3,27 MB). Robert-Koch-Institut, Berlin 2008, ISBN 978-3-89606-109-6, S. 57–62, hier S. 58.
  23. Hochspringen↑ Gegen ADHS fehlen Therapeuten. In: Ärzte Zeitung, 30. Juli 2008, abgerufen am 14. Juni 2013.
  24. Hochspringen↑ Heike Korzilius: ADHS: Krankenkasse stellt Versorgungsdefizit fest. In: Deutsches Ärzteblatt. PP7, Nr. 11, 10. November 2008, S. 502.
  25. Hochspringen↑ Thomas Hommel: Experten sehen Mängel in der Versorgung von Kindern mit ADHS. In: Ärzte Zeitung. 15. Juli 2009, abgerufen am 14. Juni 2013.
  26. Hochspringen↑ M. Döpfner, G. Lehmkuhl, H.-C. Steinhausen: Kinder-Diagnostik-System (KIDS), Band 1: Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). Hohgrefe, Göttingen 2006.
  27. Hochspringen↑ D.-H. Liebscher, K. Baerlocher, H.-G. Classen, U. C. Liebscher, G.-W. Ratzmann, W. Vierling, A.Weigert, K. Kisters: Magnesiummangel und -therapie bei ADHS. In:Nieren- und Hochdruckkrankheiten, 40. Jg., Nr. 3, Mai 2011, ISSN 0300-5224, S. 123–128.
  28. Hochspringen↑ Kirsten Stollhoff: Autismus und ADHS häufig gepaart. In: pädiatrie hautnah, 23. Jg., Nr. 6, 2011, ISSN 1437-1782, S. 447 (PDF; 111 kB).
  29. Hochspringen↑ Rhonda Martinussen u. a.: A Meta-Analysis of Working Memory Impairments in Children With Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. In: Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry, 44. Jg., Nr. 4, April 2005, S. 377–384.
  30. Hochspringen↑ J. Krause, K.-H. Krause: ADHS im Erwachsenenalter. Schattauer, Stuttgart 2009, S. 3.
  31. Hochspringen↑ ICD-10-WHO Version 2013 und ICD-10-GM Version 2013Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information, abgerufen am 11. Juni 2013.
  32. ↑ Hochspringen nach:a b Helmut Remschmidt, Martin H. Schmidt, Fritz Poustka (Hrsg.): Multiaxiales Klassifikationsschema für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach ICD-10 der WHO. Mit einem synoptischen Vergleich von ICD-10 und DSM-IV. 5. Auflage. Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84284-8, S. 33 ff.
  33. Hochspringen↑ Helmut Remschmidt: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Eine praktische Einführung. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2011, S. 157.
  34. ↑ Hochspringen nach:a b c d Dt. Ges. f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u. a. (Hrsg.): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. 2. überarbeitete Auflage. Deutscher Ärzte Verlag, 2003, ISBN 3-7691-0421-8.
  35. Hochspringen↑ Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ – Langfassung (Kap. 1. Definition und Klassifikation)
  36. Hochspringen↑ Atomoxetin (STRATTERA) bei Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS). In: arznei-telegramm, Nr. 4/2005, S. 33–34, hier S. 34.
  37. Hochspringen↑ http://presse.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Presseportal/Subportal/Presseinformationen/Archiv/2013/130129-Arztreport-2013/PDF-Arztreport-2013,property=Data.pdf
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  74. Hochspringen↑ Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin: AFA Algen und AFA Algenprodukte. (PDF; 22 kB) Stellungnahme des BgVV 2001.
  75. Hochspringen↑ Zu dieser evolutionären Perspektive siehe auch: J. F. Shelley-Tremblay, L. A. Rosén: Attention Deficit Hyperactivity Disorder. An Evolutionary Perspective. In: Journal of Genetic Psychology 157 (4), 1996, S. 443–453.
  76. Hochspringen↑ K. M. Antshel, S. V. Faraone, K. Stallone, A. Nave, F. A. Kaufmann, A. Doyle, R. Fried, L. Seidman, J. Biederman: Is attention deficit hyperactivity disorder a valid diagnosis in the presence of high IQ? Results from the MGH Longitudinal Family Studies of ADHD. In: J Child Psychol Psychiatry. 48 (2007), PMID 17593149, S. 687–694.
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  78. Hochspringen↑ Psychiatrie: Häufige Interessenkonflikte der DSM-V-Autoren. In: aerzteblatt.de, 7. Mai 2008. Abgerufen am 20. Juni 2011.
  79. Hochspringen↑ Mitteilung 08 28 der APA vom 1. Mai 2008. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2011.
  80. Hochspringen↑ Center for Science in the Public Interest: Integrity in Science Watch. Vom 5. Mai 2008. Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2011.
  81. Hochspringen↑ The New York Times: Psychiatry Handbook Linked to Drug Industry. Vom 6. Mai 2008 Zuletzt aufgerufen am 20. Juni 2011.
  82. Hochspringen↑ S. Timini, E.Taylor: ADHD is best understood as a cultural construct. In: The British Journal of Psychiatry 184, 2004, PMID 14702221, S. 8–9.
  83. Hochspringen↑ Christiane Hoffmann, Antje Schmelcher: Wo die wilden Kerle wohnten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Februar 2012. Abgerufen am 22. Juli 2013.
  84. Hochspringen↑ Jörg BlechSchwermut ohne Scham. In: Der Spiegel, Ausgabe 6/2012, 6. Februar 2012. Abgerufen am 22. Juli 2013.
  85. Hochspringen↑ Die erfundene Krankheit. In: DRadio Wissen, 10. April 2012. Abgerufen am 22. Juli 2013.
  86. Hochspringen↑ Edward M. Hallowell u. a., zitiert in: Josef Lehmkuhl: Der Kunst-Messias: Richard Wagners Vermächtnis in seinen Schriften. Königshausen & Neumann, Würzburg 2009,ISBN 978-3-8260-4113-6S. 50..
  87. Hochspringen↑ Psychische Störungen in Kindheit und Jugend – Symptome – Psychodynamik – Fallbeispiele – psychoanalytische Therapie. Kohlhammer, Stuttgart 2004.
  88. Hochspringen↑ Eintrag Indigo-Kinder. In: Andreas Fincke, Matthias Pöhlmann: Kompass Sekten und religiöse Weltanschauungen. Ein Lexikon. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2004, S. 105.
  89. Hochspringen↑ www.adhs-deutschland.de
  90. Hochspringen↑ www.zentrales-adhs-netz.de/ „Das zentrale adhs-netz ist ein bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS. Das Netzwerk richtet sich sowohl an Experten als auch an Betroffene, ihre Angehörigen und Bezugspersonen. Es informiert außerdem die Öffentlichkeit über ADHS.“

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